Welche Alternativen gibt es zu Wegovy®?
Aufgrund der häufigen Lieferengpässe bei Wegovy® und individueller medizinischer Bedürfnisse suchen viele Patienten nach Alternativen zur Gewichtsreduktion. Glücklicherweise gibt es mehrere zugelassene Medikamente, die ähnliche Wirkmechanismen haben oder auf andere Weise bei der Gewichtsabnahme unterstützen.
Verfügbare Alternativen im Überblick
Die wichtigsten in Deutschland verfügbaren Alternativen sind Mounjaro® (Tirzepatid, ca. 206 Euro monatlich), Saxenda® (Liraglutid, derzeit oft vergriffen) und Nevolat® (Saxenda-Generikum, ca. 79 Euro). Jede dieser Optionen hat spezifische Vor- und Nachteile, die bei der Auswahl berücksichtigt werden sollten.
Mounjaro® (Tirzepatid)
Mounjaro® ist eines der neuesten und vielversprechendsten Medikamente zur Gewichtsreduktion. Der Wirkstoff Tirzepatid ist ein dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist, was bedeutet, dass er zwei Hormonrezeptoren gleichzeitig aktiviert und möglicherweise noch effektiver ist als reine GLP-1-Agonisten. In klinischen Studien zeigten Patienten eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 15-20%, teilweise sogar bis zu 22,5% des Körpergewichts – mehr als mit Wegovy® beobachtet wurde.
Die Anwendung erfolgt einmal wöchentlich per Injektion, ähnlich wie Wegovy. Die Dosierung wird schrittweise erhöht, beginnend mit 2,5 mg und steigend bis maximal 15 mg wöchentlich. Die monatlichen Kosten liegen bei etwa 200-250 Euro. Mounjaro ist primär für Typ-2-Diabetes zugelassen, wird aber zunehmend off-label zur Gewichtsreduktion verschrieben. Die Nebenwirkungen ähneln denen von Wegovy, mit gastrointestinalen Beschwerden als häufigste Nebenwirkung. Auch bei Mounjaro kann es zu Verfügbarkeitsproblemen kommen.
Saxenda® (Liraglutid)
Saxenda® enthält den Wirkstoff Liraglutid in einer Dosierung von 3,0 mg und war eines der ersten GLP-1-Agonisten, die speziell zur Gewichtsreduktion zugelassen wurden. Der Hauptunterschied zu Wegovy ist die Anwendungshäufigkeit: Saxenda muss täglich injiziert werden, was für manche Patienten weniger praktisch ist. Der durchschnittliche Gewichtsverlust liegt bei etwa 8-10% des Körpergewichts, was etwas weniger ist als bei Wegovy oder Mounjaro.
Die monatlichen Kosten betragen etwa 130-180 Euro, wobei die Verfügbarkeit aufgrund hoher Nachfrage problematisch sein kann. Viele Apotheken haben Saxenda nicht vorrätig oder auf Warteliste. Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei anderen GLP-1-Agonisten, wobei Übelkeit bei etwa 40% der Anwender auftritt. Die tägliche Anwendung kann zwar lästig sein, bietet aber auch mehr Flexibilität bei der Dosisanpassung.
Nevolat® (Liraglutid-Generikum)
Nevolat® ist ein Generikum von Saxenda und enthält denselben Wirkstoff Liraglutid 3,0 mg. Der große Vorteil liegt im deutlich günstigeren Preis: Mit etwa 79 Euro pro Monat kostet Nevolat weniger als die Hälfte des Originalprodukts. Die Wirksamkeit und das Nebenwirkungsprofil sind identisch mit Saxenda, da es sich um denselben Wirkstoff in gleicher Dosierung handelt. Die Verfügbarkeit von Nevolat ist tendenziell besser als die von Saxenda, was es zu einer attraktiven Option macht, besonders für Selbstzahler mit begrenztem Budget. Auch hier ist die tägliche Selbstinjektion erforderlich.
Ozempic® (Semaglutid) off-label
Ozempic® enthält denselben Wirkstoff wie Wegovy (Semaglutid), ist aber primär für Typ-2-Diabetes zugelassen und in niedrigeren Dosierungen erhältlich (max. 2,0 mg statt 2,4 mg). Viele Ärzte verschreiben Ozempic off-label zur Gewichtsreduktion, insbesondere wenn Wegovy nicht verfügbar ist. Die Wirksamkeit ist ähnlich, wenn auch etwas geringer als bei Wegovy aufgrund der niedrigeren Maximaldosis. Die Kosten liegen bei etwa 70-90 Euro monatlich für Selbstzahler. Bei Diabetikern werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen, was Ozempic zur wirtschaftlichsten Option macht.
Orlistat (Xenical®, Alli®)
Orlistat ist ein Lipasehemmer, der die Fettaufnahme im Darm reduziert. Anders als GLP-1-Agonisten wirkt es nicht auf das Hungergefühl, sondern verhindert, dass etwa 30% des aufgenommenen Nahrungsfetts verdaut wird. Der durchschnittliche Gewichtsverlust liegt bei etwa 5-10% des Körpergewichts. Orlistat muss dreimal täglich zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Die häufigsten Nebenwirkungen sind ölige Darmentleerungen, Blähungen und Stuhlinkontinenz, besonders bei fettreichen Mahlzeiten. Die monatlichen Kosten liegen bei etwa 40-60 Euro, und in niedriger Dosierung ist Orlistat rezeptfrei erhältlich (Alli® 60 mg).
Nicht-medikamentöse Alternativen
Neben Medikamenten gibt es auch andere evidenzbasierte Ansätze: Strukturierte Ernährungsprogramme und Verhaltenstherapie können zu einem Gewichtsverlust von 5-10% führen. Bariatrische Chirurgie (Magenbypass, Schlauchmagen) ist die effektivste Option mit Gewichtsverlusten von 25-35%, wird aber nur bei schwerer Adipositas (BMI ≥40 oder ≥35 mit Komorbiditäten) empfohlen. Eine Kombination aus allen Ansätzen – Medikamente, Ernährungsumstellung und Bewegung – zeigt oft die besten Ergebnisse.
Entscheidungshilfe
Die Wahl der richtigen Alternative sollte in Absprache mit einem Arzt erfolgen, unter Berücksichtigung von individuellen Gesundheitszielen, Vorerkrankungen, Verträglichkeit, Budget und praktischen Aspekten wie Anwendungshäufigkeit und Verfügbarkeit. Jede Option hat ihre Stärken und Schwächen, und was für eine Person optimal ist, muss nicht für eine andere gelten.