Welche Gefahren hat die Abnehmspritze?

Abnehmspritzen wie Wegovy®, Ozempic® oder Saxenda® basieren auf GLP-1-Rezeptoragonisten und haben in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen. Während sie beeindruckende Ergebnisse bei der Gewichtsreduktion zeigen, ist es essentiell, sich auch über die potenziellen Risiken und Gefahren im Klaren zu sein.

Häufigste Nebenwirkungen: Verdauungsprobleme

Typische Risiken und Nebenwirkungen der Abnehmspritze sind vor allem Verdauungsbeschwerden: Etwa 43,9% der Anwender leiden unter Übelkeit und Erbrechen, 29,7% unter Durchfall und 24,2% unter Verstopfung. Diese gastrointestinalen Nebenwirkungen sind die mit Abstand häufigsten Beschwerden und treten besonders in den ersten Wochen der Behandlung sowie bei Dosiserhöhung auf. Die Ursache liegt im Wirkungsmechanismus: GLP-1-Agonisten verlangsamen die Magenentleerung, was zu einem verstärkten Sättigungsgefühl führt, aber eben auch zu diesen unangenehmen Begleiterscheinungen.

Risiko der Pankreatitis

Eine der schwerwiegendsten potenziellen Gefahren ist die akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung). Obwohl selten, wurden Fälle bei Patienten berichtet, die GLP-1-Agonisten einnahmen. Symptome einer Pankreatitis umfassen starke, anhaltende Bauchschmerzen, die oft in den Rücken ausstrahlen, Übelkeit und Erbrechen sowie Fieber. Bei Auftreten dieser Symptome muss die Behandlung sofort abgebrochen und ein Arzt konsultiert werden. Die Pankreatitis ist ein medizinischer Notfall, der eine stationäre Behandlung erfordern kann.

Gallenblasen- und Gallenwegserkrankungen

Ein erhöhtes Risiko für Gallensteine und Gallenblasenentzündungen wurde bei Patienten beobachtet, die Abnehmspritzen verwenden. Dies hängt teilweise mit dem schnellen Gewichtsverlust zusammen, der die Bildung von Gallensteinen begünstigen kann. Bei etwa 2-3% der Anwender treten Gallenblasenprobleme auf, die manchmal eine chirurgische Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) erforderlich machen. Symptome sind Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit nach fettreichen Mahlzeiten und möglicherweise Gelbfärbung der Haut oder Augen.

Schilddrüsenrisiko

In Tierstudien mit Nagetieren wurde ein erhöhtes Risiko für medulläre Schilddrüsenkarzinome (eine seltene Form von Schilddrüsenkrebs) beobachtet. Obwohl ein direkter Zusammenhang beim Menschen nicht eindeutig nachgewiesen wurde, tragen Abnehmspritzen wie Wegovy einen sogenannten "Black Box Warning" in den USA. Patienten mit persönlicher oder familiärer Vorgeschichte von medullären Schilddrüsenkarzinomen oder multipler endokriner Neoplasie Typ 2 (MEN 2) sollten diese Medikamente nicht verwenden. Bei Symptomen wie einem Knoten im Hals, Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder anhaltenden Halsschmerzen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Hypoglykämie-Risiko

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die zusätzlich zu GLP-1-Agonisten andere blutzuckersenkende Medikamente wie Insulin oder Sulfonylharnstoffe nehmen, besteht ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämie (Unterzuckerung). Symptome sind Zittern, Schweißausbrüche, Verwirrtheit, Herzrasen und in schweren Fällen Bewusstlosigkeit. Eine regelmäßige Blutzuckerüberwachung und möglicherweise eine Anpassung anderer Diabetes-Medikamente sind notwendig.

Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit vorbestehenden Nierenerkrankungen oder bei starkem Erbrechen und Durchfall mit resultierender Dehydrierung können sich die Nierenwerte verschlechtern. Es wurden Fälle von akutem Nierenversagen berichtet, insbesondere bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr. Patienten sollten auf ausreichende Hydratation achten und bei anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden ärztlichen Rat einholen.

Veränderungen an der Netzhaut

Bei Diabetikern mit vorbestehender diabetischer Retinopathie wurde unter GLP-1-Therapie gelegentlich eine Verschlechterung der Augenerkrankung beobachtet. Dies könnte mit dem schnellen Rückgang des Blutzuckerspiegels zusammenhängen. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen werden für Diabetiker empfohlen.

Psychische Auswirkungen

Einige Anwender berichten von Veränderungen in der Stimmung, depressiven Verstimmungen oder Angstzuständen. Obwohl nicht eindeutig geklärt ist, ob diese direkt durch das Medikament verursacht werden, sollten solche Symptome ernst genommen und mit einem Arzt besprochen werden. Es gibt auch Berichte über Suizidgedanken, wobei ein kausaler Zusammenhang noch untersucht wird.

Allergische Reaktionen

Wie bei jedem Medikament können allergische Reaktionen auftreten, von milden Hautausschlägen bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen mit Atemnot, Schwellungen und Kreislaufproblemen. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion muss die Anwendung sofort gestoppt und medizinische Hilfe gesucht werden.

Langzeitrisiken und unbekannte Effekte

Da GLP-1-Agonisten in hohen Dosen zur Gewichtsreduktion erst seit wenigen Jahren breit eingesetzt werden, sind die sehr langfristigen Auswirkungen (10+ Jahre) noch nicht vollständig bekannt. Es ist wichtig, dass Patienten sich dieser Unsicherheit bewusst sind und regelmäßige medizinische Kontrollen wahrnehmen.